BL64 Bloodhound Flab Lenkwaffenstellung ZG

BL64

Auf dem Gubel hinter Menzigen liegt schon fast idylisch gelegen das BL64 Museum, auch Bloodhound genannt. Schweizweit wurden sechs solcher Flab Lenkwaffenstellung  gebaut mit insgesamt 14 Werfergruppen à vier Werfer, aufgeteilt auf neun Feuereinheiten.

Eine Feuereinheit umfasste:

1 Radar
1 Leitstelle
1 Einsatzstelle
1 Toilette neben der Leitstelle
1 Stromversorgung
2 Werfergruppen à 4 Werfern (die Werfer standen, ausser bei Einsätzen,  immer in der Sicherheitsrichtung. D.h. bei einem ungeplanten Abschuss währen sie in einem Gebiet abgestürzt,
wo ein möglichst kleiner Schaden erwartet wurde.)
1 Ladefahrzeugunterstand
2 Ladefahrzeuge
Pro Werfer 2 Lenkwaffenmagazine
Auf der Lwf-Stellung waren 2 Lenkwaffen pro Werfer vorhanden.
Zusätzlich waren noch weitere Lenkwaffen in einem externen, unterirdischen Depot gelagert.
Auf jeder Werfergruppe war mindestens ein Werfer geladen. (Ausser bei Übungen immer ohne eingebaute Startraketenzünder.)

Pro Lwf-Stellung waren noch vorhanden:
1 Kollimationsturm (Kolliturm; wird zur Justierung des Radars und zur Simulation von Zielen gebraucht)
1 Übermittlungszentrale (Telefon- und Richtstrahlverbindungen)
1 Wachtgebäude mit Hundezwinger und Arrestlokalen
1 Feuerwehrmagazin
Munitionsmagazine
12-Mann- Unterstände (vermutlich 1 pro Feuereinheit)KUBUs
Werkstätten, Materiallager und Büros der BAMF
1 Aussenlager des Zeughauses (Das Korpsmaterial war auf der Stellung eingelagert)
Unterkünfte
Küche und Speisesäle
Theorieräume nach Bedarf
1 Wohnhaus (nicht auf allen Stellungen)

Die Standorte Menzingen und Emmen verfügten über vier Werfergruppen.

Die sechs Standorte befanden sich in:

AG:
Doppelstellung mit 2 Feuereinheiten

Flab Lwf Bttr  I/72 + Stab Flab Lwf Reg 7

FR:
Doppelstellung mit 2 Feuereinheiten
Flab Lwf Bttr  III/72 + Stab Flab Lwf Abt 72

LU:
Ursprünglich Schulstellung mit 1 Feuereinheit aber nur einer Werfergruppe
Flab Lwf Bttr  III/71

SO:
Einfachstellung mit 1 Feuereinheit
Flab Lwf Bttr  II/72

ZG:
Doppelstellung mit 2 Feuereinheiten
Flab Lwf Bttr  II/71 + Stab Flab Lwf Abt 71

ZH:
Einfachstellung mit 1 Feuereinheit
Flab Lwf Bttr  I/71

 

Die BL64 war im Verbund mit der Mirage in der Lage Luftziele bis in eine Höhe von 20km zu bekämpfen. Die BL64 hatte eine Reichweite von 160km! Gegnerische Flugzeuge konnten bereits weit vor der Schweizer Grenze erfasst und im Idealfall gleich nach der Schweizer Grenze abgeschossen werden. Die Lenkwaffe würde somit vorher abgeschossen noch ehe ein gegnerisches Flugzeug unseren Luftraum erreicht hätte.

Eine einzelne Lenkwaffe konnte gegen ein einzelnes Flugzeug eingesetzt werden oder aber auch gegen mehrere Flugzeuge gleichzeitig.
Der Kriegskopf ist ein sogenannter Continuous-Rod Warhead. Er besteht aus einem Stahlrohr. Darin ist ein Detonationswellenlenker aus Kunststoff eingelegt. Gefüllt ist das Ganze mit dem Sprengstoff.
In der Zentralachse befindet sich das Sprengrohr.
Längs aussen am Stahlrohr befinden sich 2 Lagen von quadratischen Stahlstangen. Diese sind an den Enden so zusammengeschweisst, dass sie sich durch die Explosion in einen kontinuierlichen Ring umformen. Der Ring dehnt sich von der Lenkwaffe nach aussen. Wegen der Eigengeschwindigkeit der Lenkwaffe fliegt der sich ausdehnende Ring auch vorwärts. Der Durchmesser erreicht einige 10m. Danach zerreisst der Ring in Bruchstücke. Die Konstrukteure der Bloodhound haben wohl die Bomberströme des 2. Weltkriegs als Ziel angenommen.

Das Waffensystem blieb bis 1999 im Einsatz und wurde dann ausser Betrieb genommen. Die Anlage auf dem Gubel ist die weltweit einzig noch existierende und wurde 2000 unter Denkmalschutz gestellt.

 

                           

 

 

 

 

Kaserne / Lenkwaffenmagazine

 

Die Anlagen wurden permanent rund um die Uhr bis zu ihrer Ausserdienstellung betrieben und waren in Bereitschaft. Dementsprechend wurden sie auch bewacht und gesichtert. Auf dem ersten Foto ist auf der rechten Seite noch gut der Hundezwinger erkennbar für die Hunde der Wachmanschaften. Um das gesamte Areal wurde ein über zwei Meter hoher Zaun mit Stacheldraht errichtet. Die Bewohner der Umgebung wurden ins Sicherheitskonzept mit einbezogen und dienten als eine Art Spionageabwehrnetzwerk. Wenn jemand komische Fragen zur Anlage stellte in den umliegenden Bauernhöfen, dann wurde das von den Anwohnern dem Militär gemeldet. In der Kommandozentrale wurde jeder Hof auf einer Karte mit Namen und Telefonnummern in einem “Nachrichten Beschaffungs Konzept” aufgeführt.

 

Stromversorgungsanlage

  

    

 

Kontrollstelle

 

     

 

 

Beleuchtungsradar

     

     

Der Zutritt auf das Dach des Radars war streng verboten, da bei laufendem Radar schwere gesundheitliche Schäden verursacht wurden. Gut sichtbar sind auch die beiden Richtstrahlantennen (“Käseschnitze”) welche jeweils auf eine Werfergruppe gerichtet sind. Die Daten wurden von jedem einzelnen Werfer empfangen.

 

Lenkwaffentechnik

     

     

   

Die Lenkwaffe hat eine Länge von 7.75m, eine Spannweite von 2.83m und wog 1360kg. Sie erreichte eine Geschwindigkeit von Mach 2.6.

 

Einzelwerfer

     

      

Beim ersten Bild ist sehr gut die Antenne zu erkennen mit welcher die Daten vom Beleuchtungsradar empfangen wurden. Beim letzten Bild ist der Sicherungs- und Scherbolzen gut zu erkennen. Beim Lagern und Transportieren der Lenkwaffe ist er als Sicherungsbolzen ins Joch geschraubt. Er verbindet Joch und Lenkwaffenkörper. Auf dem Werfer wird er umgedreht und als Scherbolzen zwischen Werfer und Lenkwaffe eingesetzt. Er ist die einzige feste Verbindung, zwischen Werfer und Lenkwaffe. Sobald die Startraketen genügend Schub entwickelt haben, brechen die Scherbolzen und die Lenkwaffe verlässt den Werfer.

Bezeichnen Sie die BL64 nie als Rakete. Raketen sind ungelenkt und folgen nur einer ballistischen Kurve. Lenkwaffen besitzen Vorrichtungen (bei der BL-64 die beiden Flügel) um die Flugbahn an die Bewegung des Ziels anzupassen.

Die BL-64 besitzt aber 4 Startraketen. Sie beschleunigen die Lenkwaffe auf die Fluggeschwindigkeit und werden kurz nach dem Start abgeworfen. Dann übernehmen die beiden Marschtriebwerke (oben und unten an der Lwf) den Antrieb bis zum Ziel.

 

Werfergruppe D

 

In Menzingen waren total vier solcher Werfergruppen stationiert. Ein normaler Standort verfügte über zwei solcher Werfergruppen.

 

 

 


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